Crowdinvesting für Startups

Weil sich auch die beste Idee ohne Geld nicht umsetzen lässt

Ganz gleich, ob Du von langer Hand geplant und vielleicht auch schon ein kleineres Budget zusammengespart hast, oder ob Du heute morgen mit der perfekten Idee aufgewacht bist: Ein Startup zu gründen, ist mit hohen Kosten verbunden. Es ist etwas anderes, als sich selbstständig hinzusetzen und eine Leistung anzubieten. Du brauchst Geld für die Entwicklung und Produktion eines Produkts, für die Gründung an sich, für die ersten Mitarbeiter und so weiter. Aber solltest Du den klassischen Weg gehen und einen Kredit bei der Bank aufnehmen? Solltest Du Dich gezielt abhängig machen von monatlichen Rückzahlungsraten und Zinsen?

In diesem Moment denkst Du Dir vermutlich schon, dass ein Kredit nicht die beste Option zur Finanzierung des Startups ist. Und Du liegst vollkommen richtig. Es gibt viele Alternativen und eine davon nennt sich Crowdinvesting. Kurzum bedeutet Crowdinvesting für Startups, dass viele Menschen gemeinsam in diese investieren und dafür eine klar definierte monetäre Gegenleistung erhalten. Firmenanteile also. Als Unternehmer erhältst Du Geld aus vielen verschiedenen Richtungen und gibst einen kleinen Satz Deiner Firmenanteile ab, um die Geldgeber am jährlichen Gewinn des Unternehmens und am eventuellen Verkauf des Startups zu beteiligen. Neben dem Crowdinvesting gibt es übrigens auch die Begriffe Crowdfunding und Crowdlending. Wo der Unterschied zwischen Crowdinvesting für Startups und diesen beiden besteht, kannst Du hier nachlesen. In dem Artikel findest Du auch eine Handvoll an Beispielen, wann die jeweilige Finanzierungsform explizit angewendet werden könnte. Daran gebunden bist Du allerdings nicht.

Wie genau funktioniert Crowdinvesting?

Grundsätzlich kannst Du das Crowdinvesting mit der bekannten Vox-Show "Die Höhle der Löwen" vergleichen. Dort treten Startups an, um bekannte Investoren von ihrer Geschäftsidee zu überzeugen und Unternehmenskapital gegen Firmenanteile zu tauschen. Wer hier mit einem Deal nach Hause geht, hat aus einem Löwen quasi einen Stubentiger gewonnen und kann damit rechnen, dass das Startup dank dieses Stubentigers einschlägt. Beim Crowdinvesting ist es genau das gleiche Prinzip, nur dass das Unternehmenskapital eben nicht nur von einem Investor kommt, sondern von vielen. Du kannst deshalb auch "Schwarmfinanzierung" dazu sagen. Es gibt dafür einige deutsche Plattformen, auf denen sich Startups präsentieren und um die Gunst der Investoren buhlen können. Diese Plattformen sind erst in den letzten Jahren wirklich attraktiv geworden und haben bereits tausende junge Gründer dazu bewegt, eine erste Finanzierungsrunde zu starten. Schon in der Anfangszeit konnten diese Startups Kapitalsummen von bis zu 100.000 Euro einsammeln.

Was genau Dein Startup vorhat, spielt kaum eine Rolle, höchstens im Hinblick auf die Plattform. Beim Crowdinvesting geht es ganz einfach darum, das geplante Unternehmen und dessen Benefits und Chancen so zu präsentieren, dass die "kleinen" Investoren anbeißen. Natürlich ohne betrügerische Machenschaften und Falschinformationen. Ist Deine Idee und Präsentation gut und qualitativ, dann hat Dein Startup gute Chancen, das anvisierte Kapital einzusammeln. Ob es nun um ein Food-Produkt oder auch um eine digitale App-Lösung gehen wird. Alle Startups können sich beim Crowdinvesting versuchen. Und es hat einen Vorteil: Die Investoren sind sozusagen die ersten, die von der Idee offen erfahren. Dementsprechend kann eine nicht so rege Beteiligung oder sogar entsprechendes Feedback seitens dieser Investoren eventuelle Schwachstellen aufzeigen, an denen das Startup vor der nächsten Finanzierungsrunde noch arbeiten kann.

Außerdem noch eine veränderte Sichtweise: Während Startups beim Crowdinvesting Kapital einsammeln, nutzen es die Investoren als Geldanlage und hoffen darauf, dass sich die Anteile wertsteigernd entwickeln.

Welche Plattformen für Crowdinvesting gibt es?

Die Finanzierung von Startups durch Schwarmfinanzierung wird in Deutschland frühestens seit 2011 immer attraktiver. Man kann zwar nicht sagen, dass das Crowdinvesting beispielsweise die Einzelfinanzierung durch einen Business Angel überholt, doch es nimmt eine solide Platzierung inmitten der verschiedenen Finanzierungsformen ein. Inzwischen gibt es sechs große und viele weitere kleine Plattformen, auf denen sich Startups versuchen können. 2014 wurde über die bis dato bestehenden Plattformen ein Finanzierungsvolumen von 14,7 Millionen Euro erreicht. Die Unterschiede zwischen den Plattformen bestehen hauptsächlich in den Orientierungen, Beteiligungsformen und in den Mindestinvestitionsvolumen. 

ADCADA InternationalAuch die ADCADA Unternehmensgruppe wuchs mithilfe von Crowdinvesting über ihre eigene Platform adcada.money, innerhalb von 4 Jahren, vom Startup zum internationalen Unternehmen. 

Ein Tipp noch zwischendurch: Um eine erfolgreiche Kampagne einzufahren, solltest Du daran denken, einen sehr guten Businessplan zu präsentieren. Der Businessplan dient als Entscheidungsgrundlage für Deine Investoren. Eine Kampagne ohne Businessplan anzufangen und das Projekt nur grob zu beschreiben, ist fatal. So besteht die Gefahr, dass niemand investiert. Und das dürfte schließlich nicht Dein Ziel sein. Gerade weil es hier um monetäre Ziele geht, ist eine detaillierte Informationsfülle mit 100 Prozent Wahrheitsgehalt der eigentlich wichtigste Faktor der Kampagne.

Auf welcher Plattform möchten Sie Kapital einsammeln?

  • Bei Seedmatch geht es insbesondere um zukunftsweisende Technologien und nachhaltige Produkte. Deshalb können sich hier auch nur Startups für ein Crowdinvesting bewerben, die aus diesen Richtungen kommen. Investoren haben zwischen 250 und 10.000 Euro freie Hand, wie viel sie in die Startups investieren möchten. Das Modell dahinter nennt sich partiarisches Nachrangdarlehen. So nennt sich die gewöhnliche Beteiligung an Unternehmen beim Crowdinvesting (Beteiligung in Form eines Darlehens gegen wahlweise Zins/Umsatzanteile/Gewinnanteile).
  • Companisto erlaubt Investoren bereits einen Einsatz ab nur 5 Euro und es kann sich jedes Startup bewerben. Eine konkrete Beteiligung der Investoren an den Startups gibt es hier nicht, sondern ein Pooling in einer Zwischengesellschaft. Das bedeutet, dass ein größerer Abstand zwischen Investoren und Startups herrscht und die Finanzierung mit mehr Verwaltungsaufwand abläuft. Manche Investoren schrecken davor zurück.
  • Bei Innovestment ist der Name Programm. Hier geht es um Startups mit Wurzeln vor allem im innovativen Tech-Sektor. Genau wie bei Seedmatch, können Investoren auch hier ab 250 Euro investieren und das Geld fließt wieder direkt ins Unternehmen (Nachrangdarlehen).
  • Bergfürst dürftest Du bereits kennen, da die Plattform über das Crowdinvesting für Startups hinaus auch solches für Immobilien anbietet und damit schon mehrfach in den Medien war. Investoren sind ab 10 Euro dabei, Startups können sich aus jeder Richtung anmelden. Auch hier gilt das Prinzip des einfachen Nachrangdarlehens.
  • Bei Fundsters funktioniert die Finanzierung in Form der typisch und atypisch stillen Beteiligung. Das heißt, dass die Investoren ihr Kapital an Fundsters übertragen, welches wiederum Beteiligung am Unternehmen erlangt. Der Betrag ist nicht festgelegt, tatsächlich können aber auch mehr 100.000 Euro angelegt werden, weshalb die Plattform auch für Business Angels interessant ist.
  • Auch die aus Österreich stammende Plattform Conda ist unter anderem für Business Angels interessant. Ab 100 Euro Investitionsvolumen funktioniert es vergleichbar mit den anderen.

Beispiele für Crowdinvesting bei Startups

Echte Ergebnisse aus abgeschlossenen Crowdinvesting-Kampagnen

Aus tausenden von Projekten gingen mal höher und mal geringer finanzierte Ergebnisse hervor. Die Spannbreite ist aber genau das, was Crowdinvesting so interessant macht. So hat beispielsweise das Unternehmen Oncgnostics zum Jahreswechsel 2017/2018 750.000 Euro für innovative Tests für schnelle, zuverlässige und effektive Krebsdiagnostik eingesammelt. Bei dieser Summe handelte es sich um 100 Prozent des Limits, wo sonst vermutlich noch mehr Kapital geflossen wäre. Das wahrscheinlich größte Crowdinvesting-Projekt drehte sich um Weissenhaus, ein luxuriöses 5 Sterne Plus-Urlaubsressort an der Ostsee. Das Projekt konnte mit 7,5 Millionen Euro 100 Prozent des anvisierten Kapitals einsammeln und danach massive Erfolge einfahren. Möchtest Du Urlaub machen und etwas mehr ausgeben, dann wird dieses Ressort Deine Vorstellungen sprengen.

Doch zurück zum eigentlichen Punkt: Brauchst Du selbst nicht so viel Geld, dann ist Crowdinvesting natürlich trotzdem für Dich geeignet. In die meisten Projekte wurden zwischen 10.000 und 70.000 Euro investiert. Und die finalen Summen übertrafen, sofern kein Limit existierte, die vorgestellten Finanzierungssummen meist um dutzende oder gar hunderte Prozent.

Gibt es einen Unterschied zwischen Immobilien-Crowdinvesting und Crowdinvesting für Startups?

Beim Crowdinvesting für Startups geht es darum, dass Du als Gründer Kapital für Dein Unternehmen einsammelst. Auch für Immobilien ist die Finanzierungsform der Schwarmfinanzierung immer relevanter geworden. Allerdings ist es schwierig, die Investoren an einer Entwicklung zu beteiligen, weil es sich nicht um ein fortbestehendes Unternehmen handelt. Das heißt, dass es hier mehr um eine Art "privaten Kredit" (kein Crowdlending!) an eine Immobiliengesellschaft geht, samt erhöhten Zinsen natürlich. 

Müssen Gründer mit ihrem Startup Crowdinvesting machen oder funktioniert auch Crowdfunding?

Viele Gründer möchten nur ungerne eine Beteiligung an die Investoren verteilen und sie an der Entwicklung des Startups teilhaben lassen, weil es ihnen verwaltungstechnisch zu viel Aufwand ist oder weil sie generell davor zurückschrecken. Wenn Du dazugehörst, ist das nicht tragisch. Du kannst dennoch eine Kampagne zur Schwarmfinanzierung anstoßen. Dann eben mit Crowdfunding, wo Du nur einen symbolischen Gegenwert versprichst. Beispielsweise einen Gutschein, ein kostenloses Produkt oder was auch immer in Deinem Fall Sinn ergibt. Die Vergangenheit zeigt, dass viele Investoren auch hierhinein investiert haben. Interessant ist, dass es beim Crowdfunding mehr um den guten Willen als um eine erfolgreiche Geldanlage mit monetären Auswüchsen geht. Melde Dich auf einer Plattform an, von denen es beim Crowdfunding ebenfalls einige gibt, und lege los. 

Fazit: Starte Deine Kampagne und lasse Dein Startup wachsen.

Viele Menschen helfen viel. Das ist der Grundsatz vom Crowdinvesting sowie auch Crowdfunding und Crowdlending. Das heißt, dass man mit ihnen ein Ziel gegebenenfalls schneller erreichen kann, als mit einer allein stehenden Partei. Mit Blick auf Unternehmer und ihre Startups kann Crowdinvesting also besser funktionieren als etwa die Suche nach einem einzelnen Business Angel oder nach einer Bank, die einen Kredit gibt. Das Geld kommt von allen Seiten und die Investoren investieren "zahm" in Deine Entwicklung und die des Startups. Du selbst hast zwar immer noch eine Abhängigkeit, eine Last. Doch ist diese weitaus leichter zu tragen, als wenn Dir große Investoren im Nacken sitzen, die Druck machen und jederzeit wieder aussteigen könnten, oder eine Bank, die jeden Monat eine feste Rate samt Zinsen erwartet. Schreibe einen guten Businessplan und starte Deine erste Crowdinvesting-Kampagne. Je besser deine Idee ist, desto mehr wird sich diese Kampagne im wahrsten Sinne des Wortes auszahlen.