Crowdfunding & Crowdinvesting: Die Unterschiede

Oft für das Gleiche gehalten und doch verschieden...

Sicherlich haben Sie schon davon gehört, dass sich verschiedene Unternehmen und Projekte via Crowdfunding finanzieren. Das heißt, dass ein Schwarm von Menschen entweder auf Spendenbasis oder auf Gegenleistungsbasis eine beliebige Geldsumme in einen gemeinsamen Topf geben, aus dem das Unternehmen oder Projekt schöpfen kann. Und sicherlich haben Sie auch schon einmal vom Crowdinvesting gehört, würden es sogar als Synonym zum Crowdfunding verwenden. Das ist gewiss nicht komplett falsch, da beide Finanzierungsformen zur Familie der sogenannten Schwarmfinanzierungen gehören. Doch neben den Gemeinsamkeiten zwischen Crowdfunding und Crowdinvesting gibt es auch Unterschiede.

Grunddefinition

Crowdfunding & Crowdinvesting

crowdinvestingDie Gemeinsamkeiten der beiden Finanzierungsformen liegen insbesondere in der Funktionsweise. Sowohl beim Crowdfunding, als auch beim Crowdinvesting, kommt ein Schwarm von Menschen zusammen, um beispielsweise einen Künstler oder Unternehmer und dessen Projekt finanziell zu unterstützen. Der Empfänger des Geldes entscheidet frei, ob die Unterstützer dafür eine monetäre oder nicht-monetäre Gegenleistung erhalten. In manchen Fällen wird die Finanzierungsrunde auch rein spendenbasiert abgehalten, also komplett ohne Gegenleistung. Mit Blick auf die Funktionsweise lassen sich zwischen Crowdfunding und Crowdinvesting also keine nennenswerten Unterschiede feststellen. Die Unterschiede liegen eher in der Form der Gegenleistung. Während die Unterstützer beim Crowdfunding mehr aus gutem Willen handeln und höchstens einen symbolischen Gegenwert erwarten, geht es beim Crowdinvesting um klar definierte monetäre Gegenleistungen. So ließe sich dieses aus der Sicht der Unterstützer und Investoren auch als Geldanlage bezeichnen, auch wenn die Rendite nicht mit etwa Aktien oder Fonds zu vergleichen ist.

Dazu ein paar konkrete Situationsbeispiele

Beispiele für Crowdfunding

  • Ein Musiker möchte sein erstes Album aufnehmen und braucht Geld für ein professionelles Tonstudio, sowie die physische Produktion – Unterstützer erhalten das fertige Album inklusive Autogramm
  • Ein kleines, unabhängiges Szene-Kino steht vor der Insolvenz, weil es dringend renoviert werden muss, um wieder Besucher – Unterstützer finanzieren die Renovierung über Crowdfunding und können das Kinoangebot nach der Renovierung ein halbes Jahr lang kostenlos nutzen
  • Ein Modedesigner hat große Pläne für ein eigenes Label samt Kollektion und braucht Geld, um beides endgültig ins Leben zu rufen – Unterstützer dürfen sich auf die Eröffnungsparty der ersten Boutique und ein kostenloses Kleidungsstück freuen

Eine der größten Crowdfunding-Aktionen war übrigens die versuchte Rettung des Eishockeyvereins "Hamburg Freezers". Kurz vor Fristende für die Lizenzbeantragung zur nächsten Saison wollten die Vereinshalter (Anschutz Entertainment Group) ihren Verein überraschend absetzen. Die Freezers riefen daraufhin eine Crowdfunding-Aktion ins Leben, aus deren Erlösen die Lizenz teilfinanziert und der Untergang des Vereins abgewendet werden sollte. Aus ganz Deutschland kamen innerhalb von weniger als zwei Wochen über 1,5 Millionen Euro zusammen. Von Privatleuten, von Unternehmen, von anderen Eishockey-Vereinen. Leider haben es die Hamburg Freezers trotz des enormen Crowdfunding-Erfolgs nicht geschafft, die Anschutz Entertainment Group vom weiteren Erhalt ihres Vereins zu überzeugen.

Beispiele für Crowdinvesting:

  • Ein Unternehmer möchte sein erstes Startup gründen und eine kohlenhydratarme Pasta auf den Markt bringen – Unterstützer erhalten dafür einen kleinen Satz der Firmenanteile und werden am jährlichen Gewinn, sowie an einem etwaigen Verkauf des Startups beteiligt
  • Eine Immobiliengenossenschaft möchte in begehrter Lage ein neues Immobilienprojekt realisieren und nutzt Crowdinvesting, um an die Finanzmittel zu kommen – Unterstützer erhalten für ihren Einsatz pro Jahr 5% Zinsen auf ihren Anlagebetrag

adcada.money LogoAuch die ADCADA Unternehmensgruppe geht unter anderem diesen Weg der Finanzierung und ist so in nur 3 Jahren vom Start-Up zu einem internationalen Unternehmen gewachsen.

Was hat es mit dem Crowdlending auf sich?

Neben Crowdfunding und Crowdinvesting gibt es mit dem "Crowdlending" noch einen weiteren Begriff im Universum des Schwarmgeldes. Hierbei handelt es sich um eine Unterform des Crowdinvestings aus dem Privatkreditgeschäft. Das heißt, dass Privatleute einen Kredit statt von einer Bank von anderen Privatleuten aufnehmen, welche die Kreditsumme durch kleine gewünschte Anteile zusammenbringen. Unterstützer erhalten ihre Kreditsumme plus Zinsen über die definierte Laufzeit hinweg zurück. Im Kern funktioniert das wie bei dem Beispiel des Immobilienprojektes, nur dass das Geld zwischen Privatleuten fließt und nicht zwischen einem Unternehmen und Privatleuten oder sogar ganz zwischen zwei Unternehmen.

Beispiel: Eine Privatperson möchte ein neues Auto kaufen und bekommt von der Bank keinen Kredit – beim Crowdlending bekommt sie ihren Kredit von anderen Privatleuten, meist sogar ohne SCHUFA-Auskunft und zahlt den Kredit wie gewohnt ebenfalls mit fest vereinbarten Zinsen zurück

Wann entscheidet man sich für Crowdfunding, wann für Crowdinvesting und wann für Crowdlending?

Durch die genannten Beispiele werden die Einsatzgebiete von Crowdfunding, Crowdinvesting und Crowdlending bereits recht gut abgegrenzt. Hinsichtlich der ersten beiden Finanzierungsformen sind Sie an diese Beispiele jedoch keinesfalls gebunden. Als der Musiker könnten Ihren Unterstützern anstelle eines kostenlosen Albumexemplars beispielsweise auch eine Prozentbeteiligung an den Verkäufen anbieten. Als das Startup könnten Sie statt der Unternehmensanteile auch einen Einkaufsgutschein anbieten. Ob Sie das Geld am Ende aus Crowdfunding, Crowdinvesting oder auch Crowdlending erhalten haben, entscheidet sich mit der vorgesehenen Gegenleistung. Zu beachten ist lediglich die Attraktivität Ihres Angebots gegenüber den Unterstützern. So kann eine schlecht gewählte Gegenleistung durchaus zu einem geringeren Finanzierungserfolg führen.

 

Crowdinvesting für Immobilien

Gemeinsam einen Stein auf den anderen setzen...

Hast Du Dich schon einmal mit alternativen Finanzierungen auseinandergesetzt, dann dürfte Dir Crowdfunding und insbesondere Crowdinvesting bereits ein Begriff sein. Die Finanzierungsform also, auf die viele Gründer mit ihren Startups zurückgreifen, um erstes Kapital einzusammeln. Crowdinvesting ist aber noch mehr als nur das. Seit geraumer Zeit wird es auch in den Kreisen von Immobilien immer beliebter. Baugenossenschaften und Immobilieninvestoren greifen auf Crowdinvesting zurück, um ihr Projekt teilweise zu finanzieren. Anstelle eines Bankkredits, der im Moment zwar sehr günstig zu haben ist, aber auch erhöhte Abhängigkeiten mit sich bringt. Da Du sehr wahrscheinlich nicht zu der Nehmergruppe gehörst, könnte Crowdinvesting für Immobilien für Dich als Geber interessant werden. Denn es versteht sich als lukrative Geldanlage mit jährlichen Zinsen. Es ist, als wärest du nebst vielen anderen die Bank und würdest einen Kredit auszahlen, der mit Zinsen innerhalb von einigen Monaten zurückgezahlt wird.

Immobilie ADCADA Unternehmensgruppe rostock friedhofswegDafür meldest du dich auf einer von vielen Plattformen an, die sich auf Crowdinvesting für Immobilien spezialisiert hat so wie zum Beispiel direkt bei adcada.money, und investierst in Dein erstes Projekt. Meist handelt es sich um schöne und moderne Mehrfamilienhäuser, manchmal sogar um ganze Siedlungen, in deutschlandweit attraktiven Lagen. Auch Gewerbeimmobilien sind hin und wieder dabei, wobei es auch auf die Plattformen ankommt. Hierhinein kannst Du einfach und sicher investieren. Zwar musst Du bei Deiner Investition ein höheres Risiko als beispielsweise beim Tagesgeld einplanen, aber kannst auch davon ausgehen, dass die Rückzahlung zuverlässig funktioniert. Schließlich wurden mit Crowdinvesting bei Immobilien schon hunderte verschiedene Projekte realisiert, oft in Millionenhöhe und mit guten Jahreszinsen auf die Investition von 4 bis 7 Prozent. Zum Vergleich: Beim Tagesgeld erhältst Du mittlerweile nicht einmal 0,5 Prozent Zinsen im Jahr. Nur (Immobilien-)Fonds sind mit ihrer Rendite etwas besser und haben zudem den Zinseszinseffekt, den das Crowdinvesting als Nachrangdarlehen nicht hat.

Wie genau funktioniert Crowdinvesting für Immobilien? 

Die Funktionsweise von Crowdinvesting ist sehr einfach zu verstehen. Stelle Dir vor, du möchtest ein Unternehmen gründen und brauchst dafür Kapital. Nun kannst Du mit diesem Wunsch zur Bank gehen oder auch zu einem Business Angel, der das Kapital gibt und dafür Firmenanteile verlangt. Weil Du Dich aber nicht von einer einzigen Person oder Institution abhängig machen möchtest, entscheidest Du dich für das Crowdinvesting. Hier kommt das Geld von vielen "kleinen" Investoren zusammen, die allesamt eine monetäre Gegenleistung erhalten. Also entweder Zinsen auf ihre Investition oder Firmenanteile. Hier spricht man von einem sogenannten Nachrangdarlehen. Tausende Unternehmen wurden so bereits finanziert, doch im Immobiliensektor lassen sich Firmenanteile nur schlecht verteilen. Es handelt sich um Bauprojekte ohne fortlaufende Entwicklung, weshalb sich der Standard etabliert hat, Crowdinvesting für Immobilien als tatsächlichen Kredit samt Zinsen und Rückzahlung zu gestalten. So wiederum wurden schon tausende Immobilienprojekte finanziert und realisiert.

Gehst Du einmal auf eine der Plattformen, dann wirst Du diesen Standard recht schnell durchblicken. Die Immobilien werden kurz vorgestellt, dazu gibt es eine Angabe zum Risikogehalt, zu den effektiven Jahreszinsen und zur Laufzeit. Die meisten Projekte laufen 12 bis 36 Monate. Das heißt, dass Du Deine Investition innerhalb dieser Zeit plus Zinsen zurückgezahlt bekommst. Alternativ könntest Du das Geld auch in Immobilienfonds anlegen, die ebenfalls flächendeckend in Immobilienprojekte investieren, aber eine Direktanlage über Plattformen für Crowdinvesting gibt Dir noch eine stärkere Bindung und einen besseren Eindruck von den Immobilien, die gebaut werden. Auf sonstige Anlagemethoden wie Tagesgeld oder Festgeld solltest Du dagegen komplett verzichten. Zumindest für den Moment, bis die Zinsen wieder steigen. Dann nämlich kann es auch gut sein, dass es aufgrund des hohen Investitionsvolumens unattraktiver wird, in Wohn- und Gewerbeimmobilien zu investieren. Dass sich der gesamte Spieß sozusagen umdreht.

Welche Plattformen für Crowdinvesting gibt es im Immobilienbereich?

Die größte aller Plattformen für Crowdinvesting bei Immobilien kommt aus Hamburg und nennt sich Exporo. 2016 wurde ein Investitionsvolumen von stolzen 21,4 Millionen Euro erreicht, womit sich Exporo deutlich von seinen Mitbewerbern abhebt. Die nächste Plattform heißt Zinsland und erreichte im gleichen Jahr "nur" 6,5 Millionen Euro Investments. Bei Zinsland handelt es sich nicht nur branchentechnisch um einen Konkurrenten, sondern auch regional. Die Plattform kommt ebenfalls aus Hamburg. Unterscheiden tun sich die Plattformen hauptsächlich über die Mindestinvestition und natürlich die Projekte. Hinsichtlich der Mindestinvestition hebt sich Bergfürst mit nur 10 Euro Mindestvolumen deutlich von den anderen ab. Ansonsten bestehen keine sonderlich großen Unterschiede zwischen ihnen.

Die wichtigsten Plattformen:

  • Exporo: Investments ab 500 Euro, verschiedene Projekte in ganz Deutschland, gut verständliche Risikoeinordnung bei den Projekten, keine Registrierung erforderlich, um Projekte anschauen zu können
  • Zinsland: Investments ab 500 Euro, verschiedene Projekte in ganz Deutschland, Kapitalertragssteuer wird direkt einbehalten, Registrierung erforderlich, um Projekte anschauen zu können
  • Zinsbaustein: Investments ab 500 Euro, verschiedene Projekte in ganz Deutschland, Registrierung erforderlich, um Projekte anschauen zu können
  • Bergfürst: Investments ab 10 Euro, mehr ein Handelsplatz als eine klassische Crowdinvesting-Plattform, Kapitalertragssteuer wird direkt einbehalten, Registrierung erforderlich, um Projekte anschauen zu können
  • iFunded: Investments ab 500 Euro, leicht verständliche Risikoklassen, keine Informationen zu möglicher Registrierung

Weitere Plattformen:

  • Engel & Völkers Capital (ab 100 Euro)
  • Sarego (ab 100 Euro)
  • ReaCapital (ab 250 Euro)
  • IMM Funding (keine Angabe zur Mindestinvestition)
  • Home Rocket (ab 250 Euro)
  • Renditefokus (ab 500 Euro)

 

Welchen Effekt haben Immobilien als Geldanlage?

Als Anleger weißt Du beim Immobilieninvestment bereits vorher, was Du am Ende rausbekommst, wenn Du investiert hast. Da alle Plattformen eine konkrete Laufzeit und einen konkreten effektiven Jahreszins angeben, braucht es nur noch eine kurze Rechnung, um den Gewinn aus der Geldanlage zu ermitteln. Viele Plattformen bieten sogar einen Rechner direkt auf der Seite oder direkt bei den Immobilien. Einmal investiert, musst Du dann nur noch auf die Rückzahlung warten. Natürlich hängt deren Höhe davon ab, wie viel Du in die Geldanlage gesteckt hast. Hast Du Dich beispielsweise ans Mindestvolumen gehalten und 500 Euro eingezahlt, bekommst Du bei 24 Monaten und 5,2 Prozent Zinsen am Ende nur +26 Euro zurückgezahlt. Legst Du allerdings 10.000 Euro zu gleichen Konditionen an, dann sind es schon +537 Euro innerhalb von zwei Jahren. Bedenke, dass das Geld übrig sein muss, damit Du als Anleger nicht in Schwierigkeiten gerätst.

Ob sich das für Dich lohnt oder nicht, musst Du selbst entscheiden. Mit Immobilienfonds – oder Fonds und Aktien allgemein – kannst Du langfristig natürlich mehr erreichen. Dafür musst Du Dich aber auch auf ein gesteigertes Risiko einlassen. Apropos Risiko: Wie die Plattformen ihre Risikoklassen definieren, kannst du direkt auf ihnen nachlesen. Es gibt zwar einen gewissen Grundstandard, den Anleger auch schnell verstehen können, doch in bestimmten Sachen können die Angaben vom Standard abweichen. Bei Fragen helfen die Plattformen meist auch telefonisch oder per Mail weiter.

Warum ist Crowdinvesting nicht gleich Crowdfunding?

Bei Crowdinvesting und Crowdfunding handelt es sich um zwei recht ähnliche Begriffe, die von vielen gerne auch synonym verwendet werden. Aber auch wenn sie beide fast das gleiche meinen (nämlich eine Schwarmfinanzierung), sind sie verschieden. Beim Crowdfunding werden ebenfalls bestimmte Projekte durch das Kapital von vielen "kleinen" Investoren finanziert. Soweit besteht also erst einmal kein Unterschied. Doch erwarten die Investoren beim Crowdfunding nur einen symbolischen Gegenwert. Keine monetären Gewinne. Genau hier steckt der Unterschied, der auf dieser Seite noch einmal detaillierter ausgeführt wird. Beim Crowdinvesting geht es nämlich immer darum, die Investoren monetär zu beteiligen. Sie zum Anleger zu machen und für Zinsen oder Anteile investieren zu lassen. Wie sich Crowdinvesting für Startups und für Immobilien unterscheiden, haben wir bereits in anderen Beiträgen erklärt. Möchtest Du also in Immobilien investieren und als Anleger attraktive Gewinne einfahren, dann solltest Du keinesfalls von Crowdfunding reden.

Fazit: Möchtest Du nebenher in Immobilien investieren?

Wie weiter oben aufgezeigt, sind Immobilien eine schöne Sache, um nebenher zu investieren und Gewinne zu generieren. Beachte jedoch, dass selbst bei 5 bis 7 Prozent an effektiven Jahreszinsen bei der kurzen Anlagedauer nur kleinere Gewinne herauskommen. Immobilien sind etwas träger als Fonds und Aktien, weil die Langfristigkeit und der Zinseszins fehlen. Gewiss sind Immobilien aber deutlich besser als Tagesgeld, Festgeld oder Sparbücher in Sachen Gewinn. Du solltest also schon Crowdinvesting in Immobilien mitmachen, wenn es Dich anspricht – aber es nicht zum Mittelpunkt Deiner Geldanlage werden lassen. Eine gute Anlage ist immer ausreichend diversifiziert und überlegt. Bedenke auch, dass immer noch genügend Eigenkapital vorhanden sein muss, damit Du keine finanziellen Engpässe bekommst, während Du in Immobilien oder andere Anlagen investierst und die Rückzahlung noch braucht. Ein Notgroschen als zurückgelegtes Eigenkapital gehört immer mit zur Geldanlage.

Crowdinvesting für Startups

Weil sich auch die beste Idee ohne Geld nicht umsetzen lässt

Ganz gleich, ob Du von langer Hand geplant und vielleicht auch schon ein kleineres Budget zusammengespart hast, oder ob Du heute morgen mit der perfekten Idee aufgewacht bist: Ein Startup zu gründen, ist mit hohen Kosten verbunden. Es ist etwas anderes, als sich selbstständig hinzusetzen und eine Leistung anzubieten. Du brauchst Geld für die Entwicklung und Produktion eines Produkts, für die Gründung an sich, für die ersten Mitarbeiter und so weiter. Aber solltest Du den klassischen Weg gehen und einen Kredit bei der Bank aufnehmen? Solltest Du Dich gezielt abhängig machen von monatlichen Rückzahlungsraten und Zinsen?

In diesem Moment denkst Du Dir vermutlich schon, dass ein Kredit nicht die beste Option zur Finanzierung des Startups ist. Und Du liegst vollkommen richtig. Es gibt viele Alternativen und eine davon nennt sich Crowdinvesting. Kurzum bedeutet Crowdinvesting für Startups, dass viele Menschen gemeinsam in diese investieren und dafür eine klar definierte monetäre Gegenleistung erhalten. Firmenanteile also. Als Unternehmer erhältst Du Geld aus vielen verschiedenen Richtungen und gibst einen kleinen Satz Deiner Firmenanteile ab, um die Geldgeber am jährlichen Gewinn des Unternehmens und am eventuellen Verkauf des Startups zu beteiligen. Neben dem Crowdinvesting gibt es übrigens auch die Begriffe Crowdfunding und Crowdlending. Wo der Unterschied zwischen Crowdinvesting für Startups und diesen beiden besteht, kannst Du hier nachlesen. In dem Artikel findest Du auch eine Handvoll an Beispielen, wann die jeweilige Finanzierungsform explizit angewendet werden könnte. Daran gebunden bist Du allerdings nicht.

Wie genau funktioniert Crowdinvesting?

Grundsätzlich kannst Du das Crowdinvesting mit der bekannten Vox-Show "Die Höhle der Löwen" vergleichen. Dort treten Startups an, um bekannte Investoren von ihrer Geschäftsidee zu überzeugen und Unternehmenskapital gegen Firmenanteile zu tauschen. Wer hier mit einem Deal nach Hause geht, hat aus einem Löwen quasi einen Stubentiger gewonnen und kann damit rechnen, dass das Startup dank dieses Stubentigers einschlägt. Beim Crowdinvesting ist es genau das gleiche Prinzip, nur dass das Unternehmenskapital eben nicht nur von einem Investor kommt, sondern von vielen. Du kannst deshalb auch "Schwarmfinanzierung" dazu sagen. Es gibt dafür einige deutsche Plattformen, auf denen sich Startups präsentieren und um die Gunst der Investoren buhlen können. Diese Plattformen sind erst in den letzten Jahren wirklich attraktiv geworden und haben bereits tausende junge Gründer dazu bewegt, eine erste Finanzierungsrunde zu starten. Schon in der Anfangszeit konnten diese Startups Kapitalsummen von bis zu 100.000 Euro einsammeln.

Was genau Dein Startup vorhat, spielt kaum eine Rolle, höchstens im Hinblick auf die Plattform. Beim Crowdinvesting geht es ganz einfach darum, das geplante Unternehmen und dessen Benefits und Chancen so zu präsentieren, dass die "kleinen" Investoren anbeißen. Natürlich ohne betrügerische Machenschaften und Falschinformationen. Ist Deine Idee und Präsentation gut und qualitativ, dann hat Dein Startup gute Chancen, das anvisierte Kapital einzusammeln. Ob es nun um ein Food-Produkt oder auch um eine digitale App-Lösung gehen wird. Alle Startups können sich beim Crowdinvesting versuchen. Und es hat einen Vorteil: Die Investoren sind sozusagen die ersten, die von der Idee offen erfahren. Dementsprechend kann eine nicht so rege Beteiligung oder sogar entsprechendes Feedback seitens dieser Investoren eventuelle Schwachstellen aufzeigen, an denen das Startup vor der nächsten Finanzierungsrunde noch arbeiten kann.

Außerdem noch eine veränderte Sichtweise: Während Startups beim Crowdinvesting Kapital einsammeln, nutzen es die Investoren als Geldanlage und hoffen darauf, dass sich die Anteile wertsteigernd entwickeln.

Welche Plattformen für Crowdinvesting gibt es?

Die Finanzierung von Startups durch Schwarmfinanzierung wird in Deutschland frühestens seit 2011 immer attraktiver. Man kann zwar nicht sagen, dass das Crowdinvesting beispielsweise die Einzelfinanzierung durch einen Business Angel überholt, doch es nimmt eine solide Platzierung inmitten der verschiedenen Finanzierungsformen ein. Inzwischen gibt es sechs große und viele weitere kleine Plattformen, auf denen sich Startups versuchen können. 2014 wurde über die bis dato bestehenden Plattformen ein Finanzierungsvolumen von 14,7 Millionen Euro erreicht. Die Unterschiede zwischen den Plattformen bestehen hauptsächlich in den Orientierungen, Beteiligungsformen und in den Mindestinvestitionsvolumen. 

ADCADA InternationalAuch die ADCADA Unternehmensgruppe wuchs mithilfe von Crowdinvesting über ihre eigene Platform adcada.money, innerhalb von 4 Jahren, vom Startup zum internationalen Unternehmen. 

Ein Tipp noch zwischendurch: Um eine erfolgreiche Kampagne einzufahren, solltest Du daran denken, einen sehr guten Businessplan zu präsentieren. Der Businessplan dient als Entscheidungsgrundlage für Deine Investoren. Eine Kampagne ohne Businessplan anzufangen und das Projekt nur grob zu beschreiben, ist fatal. So besteht die Gefahr, dass niemand investiert. Und das dürfte schließlich nicht Dein Ziel sein. Gerade weil es hier um monetäre Ziele geht, ist eine detaillierte Informationsfülle mit 100 Prozent Wahrheitsgehalt der eigentlich wichtigste Faktor der Kampagne.

Auf welcher Plattform möchten Sie Kapital einsammeln?

  • Bei Seedmatch geht es insbesondere um zukunftsweisende Technologien und nachhaltige Produkte. Deshalb können sich hier auch nur Startups für ein Crowdinvesting bewerben, die aus diesen Richtungen kommen. Investoren haben zwischen 250 und 10.000 Euro freie Hand, wie viel sie in die Startups investieren möchten. Das Modell dahinter nennt sich partiarisches Nachrangdarlehen. So nennt sich die gewöhnliche Beteiligung an Unternehmen beim Crowdinvesting (Beteiligung in Form eines Darlehens gegen wahlweise Zins/Umsatzanteile/Gewinnanteile).
  • Companisto erlaubt Investoren bereits einen Einsatz ab nur 5 Euro und es kann sich jedes Startup bewerben. Eine konkrete Beteiligung der Investoren an den Startups gibt es hier nicht, sondern ein Pooling in einer Zwischengesellschaft. Das bedeutet, dass ein größerer Abstand zwischen Investoren und Startups herrscht und die Finanzierung mit mehr Verwaltungsaufwand abläuft. Manche Investoren schrecken davor zurück.
  • Bei Innovestment ist der Name Programm. Hier geht es um Startups mit Wurzeln vor allem im innovativen Tech-Sektor. Genau wie bei Seedmatch, können Investoren auch hier ab 250 Euro investieren und das Geld fließt wieder direkt ins Unternehmen (Nachrangdarlehen).
  • Bergfürst dürftest Du bereits kennen, da die Plattform über das Crowdinvesting für Startups hinaus auch solches für Immobilien anbietet und damit schon mehrfach in den Medien war. Investoren sind ab 10 Euro dabei, Startups können sich aus jeder Richtung anmelden. Auch hier gilt das Prinzip des einfachen Nachrangdarlehens.
  • Bei Fundsters funktioniert die Finanzierung in Form der typisch und atypisch stillen Beteiligung. Das heißt, dass die Investoren ihr Kapital an Fundsters übertragen, welches wiederum Beteiligung am Unternehmen erlangt. Der Betrag ist nicht festgelegt, tatsächlich können aber auch mehr 100.000 Euro angelegt werden, weshalb die Plattform auch für Business Angels interessant ist.
  • Auch die aus Österreich stammende Plattform Conda ist unter anderem für Business Angels interessant. Ab 100 Euro Investitionsvolumen funktioniert es vergleichbar mit den anderen.

Beispiele für Crowdinvesting bei Startups

Echte Ergebnisse aus abgeschlossenen Crowdinvesting-Kampagnen

Aus tausenden von Projekten gingen mal höher und mal geringer finanzierte Ergebnisse hervor. Die Spannbreite ist aber genau das, was Crowdinvesting so interessant macht. So hat beispielsweise das Unternehmen Oncgnostics zum Jahreswechsel 2017/2018 750.000 Euro für innovative Tests für schnelle, zuverlässige und effektive Krebsdiagnostik eingesammelt. Bei dieser Summe handelte es sich um 100 Prozent des Limits, wo sonst vermutlich noch mehr Kapital geflossen wäre. Das wahrscheinlich größte Crowdinvesting-Projekt drehte sich um Weissenhaus, ein luxuriöses 5 Sterne Plus-Urlaubsressort an der Ostsee. Das Projekt konnte mit 7,5 Millionen Euro 100 Prozent des anvisierten Kapitals einsammeln und danach massive Erfolge einfahren. Möchtest Du Urlaub machen und etwas mehr ausgeben, dann wird dieses Ressort Deine Vorstellungen sprengen.

Doch zurück zum eigentlichen Punkt: Brauchst Du selbst nicht so viel Geld, dann ist Crowdinvesting natürlich trotzdem für Dich geeignet. In die meisten Projekte wurden zwischen 10.000 und 70.000 Euro investiert. Und die finalen Summen übertrafen, sofern kein Limit existierte, die vorgestellten Finanzierungssummen meist um dutzende oder gar hunderte Prozent.

Gibt es einen Unterschied zwischen Immobilien-Crowdinvesting und Crowdinvesting für Startups?

Beim Crowdinvesting für Startups geht es darum, dass Du als Gründer Kapital für Dein Unternehmen einsammelst. Auch für Immobilien ist die Finanzierungsform der Schwarmfinanzierung immer relevanter geworden. Allerdings ist es schwierig, die Investoren an einer Entwicklung zu beteiligen, weil es sich nicht um ein fortbestehendes Unternehmen handelt. Das heißt, dass es hier mehr um eine Art "privaten Kredit" (kein Crowdlending!) an eine Immobiliengesellschaft geht, samt erhöhten Zinsen natürlich. 

Müssen Gründer mit ihrem Startup Crowdinvesting machen oder funktioniert auch Crowdfunding?

Viele Gründer möchten nur ungerne eine Beteiligung an die Investoren verteilen und sie an der Entwicklung des Startups teilhaben lassen, weil es ihnen verwaltungstechnisch zu viel Aufwand ist oder weil sie generell davor zurückschrecken. Wenn Du dazugehörst, ist das nicht tragisch. Du kannst dennoch eine Kampagne zur Schwarmfinanzierung anstoßen. Dann eben mit Crowdfunding, wo Du nur einen symbolischen Gegenwert versprichst. Beispielsweise einen Gutschein, ein kostenloses Produkt oder was auch immer in Deinem Fall Sinn ergibt. Die Vergangenheit zeigt, dass viele Investoren auch hierhinein investiert haben. Interessant ist, dass es beim Crowdfunding mehr um den guten Willen als um eine erfolgreiche Geldanlage mit monetären Auswüchsen geht. Melde Dich auf einer Plattform an, von denen es beim Crowdfunding ebenfalls einige gibt, und lege los. 

Fazit: Starte Deine Kampagne und lasse Dein Startup wachsen.

Viele Menschen helfen viel. Das ist der Grundsatz vom Crowdinvesting sowie auch Crowdfunding und Crowdlending. Das heißt, dass man mit ihnen ein Ziel gegebenenfalls schneller erreichen kann, als mit einer allein stehenden Partei. Mit Blick auf Unternehmer und ihre Startups kann Crowdinvesting also besser funktionieren als etwa die Suche nach einem einzelnen Business Angel oder nach einer Bank, die einen Kredit gibt. Das Geld kommt von allen Seiten und die Investoren investieren "zahm" in Deine Entwicklung und die des Startups. Du selbst hast zwar immer noch eine Abhängigkeit, eine Last. Doch ist diese weitaus leichter zu tragen, als wenn Dir große Investoren im Nacken sitzen, die Druck machen und jederzeit wieder aussteigen könnten, oder eine Bank, die jeden Monat eine feste Rate samt Zinsen erwartet. Schreibe einen guten Businessplan und starte Deine erste Crowdinvesting-Kampagne. Je besser deine Idee ist, desto mehr wird sich diese Kampagne im wahrsten Sinne des Wortes auszahlen.